8.5.2017 Weltrotkreuztag – INVOLVE stellt sich vor

Projekt INVOLVE entwickelt neue Wege für die ehrenamtliche Katastrophenhilfe

Unterstützung für Menschen in Krisen und Katastrophen ist eine Kernaufgabe von Hilfsorganisationen wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK). Und sie haben in den letzten Jahren gut zu tun: Im kollektiven Gedächtnis sind beispielsweise noch die Bilder der überfluteten Dörfer und Städte während des Jahrhunderthochwassers 2013 sowie der vielen tausend Menschen, die seit 2015 nach Deutschland geflüchtet sind.

In diesen Situationen der betroffenen Bevölkerung Hilfe und Unterstützung anzubieten, ist die Aufgabe von zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern in den Hilfsorganisationen. Sie organisieren ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen, informieren, trösten und beruhigen, helfen bei der Suche nach Familienangehörigen und vieles mehr. Ihr freiwilliges Engagement ist für die Bewältigung von Katastrophen sehr wichtig.

Doch unsere Gesellschaft verändert sich: Menschen leben generell länger, Schul- und Studienzeiten verdichten sich und insbesondere bei jungen Menschen wird freie Zeit dadurch knapper, viele Menschen aus anderen Kulturkreisen wandern zu, soziale Beziehungen werden zunehmend über das Internet gepflegt und vieles mehr. Diese Veränderungen stellen auch die Hilfsorganisationen vor große Herausforderungen:

Die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung ist nach wie vor sehr hoch, wie das beispielsweise die Flüchtlingshilfe eindrucksvoll gezeigt hat. Aber Menschen für ein klassisches Ehrenamt mit umfangreichen Ausbildungen und häufigen Einsätzen zu gewinnen, wird immer schwieriger.

Gleichzeitig gibt es für die Hilfsorganisationen viel zu tun und die Herausforderungen werden komplexer. Generell lässt sich beobachten, dass die Heterogenität der Bevölkerung und damit auch die Vielfalt der (speziellen) Bedürfnisse in einer Notsituation zunehmen, beziehungsweise auch neue Bedürfnisse entstehen.

Das Anliegen des Forschungsprojektes INVOLVE ist es, Lösungsansätze für diese Herausforderungen zu entwickeln. Das DRK arbeitet dabei mit zwei Forschungspartnern zusammen.

Hierzu werden zum einen die Motivlagen ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer untersucht: Was treibt Menschen an, sich ehrenamtlich zu engagieren? Wie bereits erwähnt, leben in Deutschland auch immer mehr Menschen mit einem anderen kulturellen Hintergrund. Ziel ist es daher, herauszufinden, ob es Motivlagen gibt, die für Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen gleichermaßen gelten. Hierzu findet neben den Analysen in Deutschland auch intensive Forschung in Indien statt. Tatsächlich scheint zum Beispiel der Wunsch nach Gemeinschaft ein „globaler“ Antreiber für freiwilliges Engagement zu sein.

Zum anderen werden die konkreten Hilfebedarfe von Betroffenen in Krisen und Katastrophen untersucht. Auch hier hat der gesellschaftliche Wandel Auswirkungen:

Bei der Evakuierung während des Hochwassers 2013 war es beispielsweise eine sehr große Herausforderung pflegebedürftige Menschen zu evakuieren, da viele von ihnen nicht institutionell – das heißt in einer stationären Einrichtung oder von einem Pflegedienst – versorgt wurden und man daher oft schlicht nicht wusste, dass es diese Menschen gibt und dass sie dringend Hilfe benötigen.

Auf Basis dieser Erkenntnisse entwickelt das Deutsche Rote Kreuz derzeit mit seinen ehrenamtlichen Einsatzkräften sowie Helferinnen und Helfern Maßnahmen, um auf die neuen Herausforderungen reagieren zu können. Fast 200 Rotkreuzlerinnen und Rotkreuzler haben sich an diesem Dialog schon beteiligt. Das Projekt INVOLVE hat erforscht, was Helferinnen und Helfer antreibt und motiviert – seien es langfristige oder ad-hoc-Helfer. Daraus können nun neue Konzepte für die Gewinnung von Freiwilligen erstellt werden. Dabei stehen Helfergewinnungskonzepte sowie neue Formen von (Kurz-) Trainings, z.B. zum Thema Vernetzung, im Vordergrund.

Durch neue Wege bei der Initiierung des Engagements von Menschen aus unterschiedlichen Bereichen können in Zukunft Betroffene in Krisen und Katastrophen bedarfsgerechter versorgt und damit insgesamt die Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung in Notlagen erhöht werden.